Kompetenzzentrum Weiterbildung Brandenburg (KW-BB)

Die Förderung für das Kompetenzzentrum Weiterbildung Brandenburg (KW-BB) wurde zum 30.09.2020 eingestellt!

Nähere Informationen finden Sie etwas weiter unten auf dieser Seite.

Liebe Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung! Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie die Weiterbildung in Ihren Praxen anbieten und durchführen!

Mit dieser Nachricht verabschieden wir uns von Ihnen.

Die Förderung für das KW Brandenburg wurde zum 30.09.2020 eingestellt. So hat es das Lenkungsgremium auf Bundesebene mit Vertretern aus Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK), Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), Privaten Krankenversicherungen (PKV) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beschlossen.

Begründet wird diese Entscheidung damit, dass die von uns selbst angestrebten Ziele hinsichtlich Seminar- und Mentoring-Angeboten, sowie Train-the-Trainer-Kursen bei weitem nicht erreicht wurden. Das war tatsächlich so. Als Präsenzveranstaltungen in verschiedenen Regionen Brandenburgs geplant und vorbereitet fanden sich kaum Teilnehmer ein. Wir haben Sie befragt und gelernt, dass in einem Flächenland, dass für Berufstätige (gleich ob in Weiterbildung oder in der Niederlassung) die Wege zu den Veranstaltungsorten zeitraubend sind. Wir haben gelernt, dass Internetbasierte Kurse deutlich von Ihnen präferiert werden. SARS-Cov-2 und die folgenden Hygieneregeln haben das in diesem Jahr nicht nur für Brandenburg geradezu erforderlich gemacht.

Ihr Zuspruch zu den Webbasierten Veranstaltungen in den letzten Wochen hat uns annehmen lassen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und jetzt liegt die „Kündigung“ auf dem Tisch. Das ist schade. Zumal der Wechsel von den ursprünglich beabsichtigten Präsenzveranstaltungen hin zu Web-Seminaren als Nicht-Einhaltung des Vertrages benannt wurde.

Das ist hier nicht der Platz, darüber zu spekulieren, ob und welche weiteren Gründe die auf Bundesebene getroffene Entscheidung befördert haben. Es gibt kaum ein Kompetenzzentrum, das in diesen unsicheren Zeiten nicht zu einem großen Teil auf webbasierte Veranstaltungen setzt.

Hier soll jetzt vor allem Platz sein für ein herzliches Dankeschön. Danke für unsere beiden Mitarbeiterinnen Dr. Anke Handrock und Dr. Maria Cieschinger. Sie haben das KW Brandenburg unermüdlich angeschoben, trotz mancher Frustrationen nicht aufgegeben und Lösungen gefunden.

Es wird in Brandenburg weiter gehen. KV, Kammer und Hochschule werden ihrerseits Angebote fortführen, die Sie in der Weiterbildung unterstützen werden. 

gez. Prof. Dr. Ulrich Schwantes

Unser Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die die Arbeit des Kompetenzzentrums wertschätzend unterstützen und sich für den Erhalt des Zentrums einsetzen. Hier finden Sie dazu einen offenen Brief der Allgemeinmediziner*innen in Weiterbildung:

Von: Antonia Stahl <stahl@allgemeinmedizin-falkensee.de>

 

Betreff: Schließung des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin in Brandenburg - Ein offener Brief der Allgemeinmediziner in Weiterbildung

 

Datum: 1. Oktober 2020 um 19:25:25 MESZ

 

An: ministerinbueromsgiv.brandenburgdevorstandkvbbdevorstandlaekbde,
cwehrykvbbdepraesidentmhb-fontanedeSekretariatLKB-Onlinede, ELescheKVBBde

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrte Mitglieder des Lenkungsgremiums mit Vertretern aus KBV, BäK, GKV und PKV und DKG,

Sehr geehrte Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Frau Kollegin Nonnemacher,

Sehr geehrter Vorstand des Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, 

Sehr geehrter Vorstand der Landesärztekammer Brandenburg,

Sehr geehrter Vorstand der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg,

 

Wir sind die Brandenburger Junge Allgemeinmedizin- ein Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung zum Allgemeinmediziner und junge Fachärztinnen und - Ärzte für Allgemeinmedizin.  

Wir sind also diejenigen, die in den kommenden Jahrzehnten die hausärztliche Versorgung in Brandenburg leisten wollen und leisten werden.  

Mit Bestürzung haben wir von dem Beschluss des Lenkungsgremiums  auf Bundesebene mit Vertretern aus Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK), Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), Privaten Krankenversicherungen (PKV) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erfahren, die Förderung für das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin mit Wirkung zum 30.09.2020 einzustellen. 

Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich, denn gab es so für uns die Möglichkeit, fundierte und auf uns als junge Ärzte in Weiterbildung oder junge Fachärzte zugeschnittene Fortbildungen zu besuchen.  Außerdem bestand so auch der Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen in der gleichen Situation, was von vielen als sehr bereichernd erlebt wurde. 

Als Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin können wir eben nicht auf ein etabliertes Fortbildungssystem wie zum Beispiel in Kliniken zurückgreifen, wie es in der Klinik tätige Ärzte können, sondern sind oft in unseren Weiterbildungspraxen alleine. Deswegen ist es umso wichtiger, dass gerade auch für uns Kollegen, die für die nahe und auch fernere Zukunft die hausärztliche Versorgung in Brandenburg sicherstellen sollen, fundierte und sinnvollere Fortbildungsangebote bereitgestellt werden! 

Es ist schwer nachzuvollziehen, dass auf der einen Seite die Nachwuchsförderung gerade für das Flächenland Brandenburg so offensiv von den zuständigen Stellen propagiert, jedoch dann an wirklich sinnvollen Einrichtungen gespart wird. 

Nach Rückmeldungen von uns Teilnehmenden hat das Kompetenzzentrum sein Angebot vor allem auf webbasierte Fortbildungen umgestellt, was auch sehr gut angenommen wurde, und das nicht nur in der Corona- Zeit. Dass diese Weiterentwicklung und Anpassung an unsere wirklichen Bedürfnisse als Begründung genommen wird, das Projekt für gescheitert zu erklären und die Förderung einzustellen, ist mehr als nur unverständlich. 

Hier sind ein paar Auszüge aus schriftlichen Statements von jungen AllgemeinmedizinerInnen in Brandenburg: 

 


"Sehr geehrte Damen und Herren, diese Entscheidung muss unbedingt revidiert werden! Wir brauchen ein Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin wie in jedem anderen Bundesland. Seit 30 Jahren sind wir am Strukturaufbau hier im Osten. Endlich kommt auch in die WB-Struktur Allgemeinmedizin Qualität und nun entscheidet ein Bundesgremium gegen Brandenburg. 

Das sollen mir die Politiker mal erklären!"

VG Dr. med. Winnie Berlin, Hausärztin und Weiterbildnerin in der Allgemeinmedizin


 

"Ich habe meine Weiterbildung bisher in Berlin absolviert, möchte aber evtl. für den letzten Weiterbildungsabschnitt sowie meine zukünftige Berufstätigkeit nach Brandenburg wechseln. In Berlin habe ich die Angebote des Kompetenzzentrum Weiterbildung gern und häufig genutzt. Ich war froh, dass es in Brandenburg ebenfalls Angebote gibt und hatte schon von KollegInnen positive Berichte darüber gehört. Da es aufgrund meiner familiären Situation schwierig ist, zu weiter entfernten Weiterbildungen/Treffen zu fahren, habe ich mich sehr über die Einrichtung von online-Seminaren und Treffen gefreut. Es ist DIE Möglichkeit, in einem Flächenland wie Brandenburg eine gemeinsame Weiterbildung für uns verstreute AssistenzärztInnen zu organisieren und eine Grundlage für Vernetzung zu schaffen.

Dass die Förderung des Kompetenzzentrums nun eingestellt wird, betrübt mich und ist für mich unverständlich. Sollte nicht gerade der allgemeinmedizinische Nachwuchs in Brandenburg dringend mehr gefördert werden? Nicht zuletzt wegen der eingeschränkten Versorgungssituation erwäge ich ja, in Brandenburg tätig zu werden. Wenn nun schon diese Förderung wegfällt - es wird damit ja auch ein Zeichen gesetzt - , wie soll dann unsere Motivation bleiben?"

Dr. med. Katharina Kluge-von Laer
Weiterbildungsassistentin für Allgemeinmedizin, 4. Weiterbildungsjahr
Berlin/Angermünde

 


"Sehr geehrte Damen und Herren,

die Nachricht, dass unser Kompetenzzentrum Weiterbildung für Allgemeinmedizin in Brandenburg mangels weiterer Förderung wieder geschlossen wird, kann ich nicht nachvollziehen. In einem Flächenland, wo Allgemeinmediziner überall dringend gebraucht werden, ist eine digitale Weiterbildung von unschätzbarem Wert und so hat das Kompetenzzentrum gerade in Zeiten von Corona genau das angeboten. Aufgrund von Familie und langen Wegen ist mir die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen sehr erschwert. Durch die Nutzung von digitalen Medien wurde eine Teilnahme an vielen Seminaren ermöglicht und von mir mehrfach mit großem Gewinn genutzt. Das betrifft gerade auch die im Studium stiefmütterlich behandelten, aber wichtigen Themen wie z. B. BWL oder Führungskompetenz. Daher bitte ich darum, dass diese Entscheidung dringend überdacht wird und das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin in Brandenburg weiterbestehen kann. Die Nachwuchsförderung einzustellen oder zumindest um wesentliche Teile zu reduzieren scheint mir ein falsches Signal für die Zukunft zu sein! Ich nehme an, dass eine vernünftige medizinische Versorgung auch in den nächsten Jahrzehnten gewünscht ist!"

Dr. med. Michael Walther
AiW Allgemeinmedizin (4. Ausbildungsjahr)
Brück (Mark), Kreis Potsdam Mittelmark

 


"Seit knapp 18 Monaten arbeite ich als angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin im KV-Bereich Brandenburg. Am Ende meiner Weiterbildungszeit in Berlin konnte ich 2018 und Anfang 2019 die Angebote des neu gegründeten Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin nutzen. Von der Wissensvermittlung in den Seminaren, die genau auf meine alltäglichen Fragen und Lücken in der Weiterbildung abgezielt waren und dem Austausch in der Mentoringgruppe habe ich viel wertvollen Input mitgenommen von dem ich jetzt immer noch bei meiner ärztlichen Tätigkeit profitiere.

Die Möglichkeit ein ähnliches Angebot wahrnehmen zu können wünsche ich allen meinen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung. Ich finde es außerordentlich bedauerlich, dass ein gesetzlich/ politisch angeschobenes sinnvolles Projekt nach kurzer Laufzeit (in der durch die Corona-Pandemie auch noch erschwerte Bedingungen herrschten) eingestampft wird. Wenn sich im Rahmen einer "ersten Runde" von Seminarangeboten etc. herausstellt, dass sich Präsenzveranstaltungen im Flächenland Brandenburg nicht bewähren und daraufhin das Konzept geändert wird - hin zu webbasierten Angeboten, dann wäre es doch sehr wünschenswert wenn es weiterhin eine finanzielle Förderung gibt. Angestossen wurden die Kompetenzzentren doch durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom 16.07.2015, dort dreht es sich im §75a um die Förderung der Weiterbildung. Ich wünsche mir für meine weitere ärztliche Tätigkeit in Brandenburg Kolleginnen und Kollegen die durch Politik und Verwaltungssysteme motiviert und unterstützt werden und nicht immer wieder frustriert und gemaßregelt."

Tanja Siegling,
Fachärztin für Allgemeinmedizin und angestellte Hausärztin in Brandenburg

 


 

Wir als junge Allgemeinmediziner in Brandenburg fordern eine erneute Prüfung der Fördermöglichkeit des Projektes „Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin“ Wir haben dieses Zentrum und seine Mitarbeiter durchweg als eine Bereicherung und eine Unterstützung in unserer Ausbildung zu Hausärztinnen und Hausärzten erlebt und wünschen uns eine Fortführung des Projektes. 

Im Namen des Netzwerkes „Brandenburger Junge Allgemeinmedizin (BranJA)“ 

Dr. med. Antonia Stahl 
Seit 2018 niedergelassene Hausärztin in Brandenburg, 
Administratorin des Netzwerkes BranJA,
Vorsitzende des Ausschusses „Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung“ der Ärztekammer Brandenburg

 

gez. Prof. Dr. Ulrich Schwantes